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Ölwehrstützpunkt Birsfelden - seit über 30 Jahren für den Umweltschutz im Einsatz! |
Die markante Zunahme des Individualverkehrs hatte einen rasanten Anstieg des Mineralölumschlags in den Basellandschaftlichen Rheinhäfen zur Folge. Damit stieg auch das Risiko von Ölunfällen auf Strasse, Schiene und Gewässern, was die Behörden Ende der 60er Jahre zur Diskussion über die Schaffung von kantonalen Ölwehrstützpunkten veranlasste. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass in den beiden Nachbarkantonen Aargau und Solothurn bereits seit 1969 kantonale Ölwehrstützpunkte ausgerüstet und im Einsatz waren. In ersten Beratungen war die Rede von sechs kantonalen Stützpunkten. Die Bemühungen endeten schliesslich in der Verabschiedung des Ölwehrgesetzes des Kantons Basel-Landschaft vom 1. Februar 1971.
Zuerst vier Ölwehrstützpunkte geplant...
Darin war vorgesehen, zunächst vier regionale
Ölwehrstützpunkte zu errichten. Demnach hätten die Feuerwehren von Birsfelden,
Reinach, Liestal und Sissach die Umweltschutzaufgaben übernehmen sollen.
Allerdings waren auch schon damals die Gelder der öffentlichen Hand knapp
bemessen. Die politische Vorlage wurde deshalb an den Regierungsrat
zurückgewiesen. Insbesondere sollte der Bedarf für gleich vier Ölwehrstützpunkte
abgeklärt und allenfalls eine Ersatzlösung mit nur zwei oder gar einem
kantonalen Stützpunkt ausgearbeitet werden.
Das
Feuerwehrinspektorat des Kantons Basel-Landschaft allerdings erhob gegen die
Reduzierung der Anzahl Stützpunkte Einwände. So wäre die Erfüllung der Pflichten
als Ölwehrstützpunkt mit nur zwei regionalen Zentren nicht möglich. Die
Einsatzräume würden entschieden zu gross und die entsprechenden Feuerwehren zu
stark beansprucht. Insbesondere wurde zu Bedenken gegeben, dass Umweltschutz
nicht zum Nulltarif zu haben sei. Die Feuerwehren seien mit entsprechenden
Ölwehrgeräten auszurüsten, da die normale Feuerwehrausrüstung für die Ölwehr
ungeeignet wäre. Ausserdem stellte das Feuerwehrinspektorat den politischen
Gremien zur Diskussion, dass „die Baudirektion und das Wasserwirtschaftsamt mit
einer Werkhofequipe (z.B. Werkhof Autobahn N2 Sissach) eventuell unter Beizug
privater Firmen die Ölwehraufgaben voll übernehmen und die Feuerwehren gänzlich
davon ausklammern“.
Auch der
Regierungsrat schliesst sich in einer erneuten Sitzung am 29. August 1972 der
Meinung des Feuerwehrinspektorates an und hält an der Schaffung von vier
Ölwehrstützpunkten im Kanton Baselland fest.
...
aber nur zwei Stützpunkte realisiert
Trotz allem haben anscheinend finanzpolitische
Sachlagen dazu geführt, dass der Landrat in seiner Sitzung vom 11. Januar 1973
aus Sparsamkeitsgründen nur einen Kredit in der Höhe von 275'000.-- Franken für
die Ausrüstung von ZWEI Ölwehrstützpunkten bewilligt hat. Durch den Wegfall
zweier Stützpunktgebiete waren die Einsatzgebiete neu festzulegen. Die
landrätliche Empfehlung, Birsfelden und Sissach als Ölwehrstützpunkte
vorzusehen, betrachteten Feuerwehrinpektorat und Wasserwirtschaftsamt (Trägerin
der Ölwehr) unter den gegeben Umständen als sinnvoll und zweckmässig.
Dennoch
erhoben Gemeinde und Feuerwehr Birsfelden zunächst Einsprache gegen die
Ernennung der Birsfelder Feuerwehr zum Ölwehrstützpunkt. Es ging dabei
allerdings nicht generell gegen die Ölwehraufgaben als solches, sondern vielmehr
darum, der Regierung vor Errichtung und Inbetriebnahme des ersten Stützpunktes
kund zu tun, dass der Kanton Basel-Landschaft vier Stützpunkte brauche. Doch die
geografische Lage in unmittelbarer Nähe zu den Hafenanlagen in
Birsfelden/Muttenz-Au - einem eigentlichen Ölumschlags- und Verteilzentrum - und
zur Autobahn-Auffahrt war Birsfelden prädestiniert und musste allein schon
deshalb als Ölwehrstützpunkt „dranglauben“.
Es stand
für die Birsfelder Feuerwehrleute jedoch ausser Frage, die übertragenen, neuen
Aufgaben mit viel Engagement anzupacken und den Ölwehrstützpunkt Birsfelden nach
Kräften aufzubauen.
Ersatz für die „VENUS“ in Sicht
Ende 2003 wurden erste Gedanken gefasst über einen Ersatz der in die Jahre
gekommenen und untermotorisierten „VENUS“. Vor allem bei längeren Anfahrten mit
Anhänger nach Augst oder Sissach gelangte das 30-jährige Fahrzeug regelmässig an
seine Grenzen. Das Erstkonzept der Ölwehr Birsfelden sah als Ersatz von
Venus und Anhänger ein 13 t-Fahrzeug mit Modulen und evtl. Ladekran vor.
Ebenfalls in dieser Zeit wurden die Gewässerschutzmassnahmen im Kanton
Basel-Landschaft aufgrund einer Gefahrenanalyse und daraus folgenden
Sperreneinbaustellen intensiviert. Ausserdem wurde nach Einsätzen in Augst bei
der Ergolzmündung die Problematik der langen Rüstzeit mit dem im Aargau
vorgesehenen Einsatzkonzept und der Verteilung der Mittel (zum Einsatz in
Kaiseraugst kommen die Ölwehrstützpunkte Aarau und Wettingen) angesprochen. Als
Lösung anerbot sich, dass der Stützpunkt Birsfelden die Ölwehr auf dem Rhein im
Bereich Kaiseraugst bis Rheinfelden“ übernehmen würde.
Aufgrund der nunmehr veränderten Ausgangslage (für die Übernahme der neuen
Aufgaben wurde zusätzliches Material nötig), wurde das Fahrzeugkonzept im Herbst
2004 überarbeitet. Die Verantwortlichen der Ölwehr Birsfelden schlugen dem AUE
BL zwei 6 t-Fahrzeuge mit Modulen, die sich gegenseitig ergänzen, vor. Es sollte
kein separater neuer Ölsperrenanhänger (für Gewässerschutz bei Augst und auf dem
Rhein im Kanton AG) für zusätzliche 120 m Ölsperre angeschafft werden, da das
Sperrenmaterial auf einem Spezialmodul im einen Fahrzeug mitgeführt werden
könnte.
Nach verschiedenen technischen Problemen (u.a. hatte Mercedes die Produktion des
6 Tonnen-Allrad-Sprinters eingestellt und der ursprünglich beauftragte
Aufbauhersteller die Produktion von Feuerwehrfahrzeugen kurzfristig aufgegeben!)
und dem Übergang der Zuständigkeit für die Ölwehr vom AUE BL zum Amt für Militär
und Bevölkerungsschutz Basel-Landschaft (bereits Trägerin der Wasserrettung auf
dem Rhein) wurden schliesslich bei der in Birsfelden bestens bekannten Firma
Vogt AG in Oberdiessbach BE zwei Ölwehr-Modulfahrzeuge bestellt.
Modulfahrzeuge für den
Ölwehrstützpunkt Birsfelden
Mit grosser Freude konnte die Ölwehr Birsfelden am 12. Januar 2008 die beiden
neuen Einsatzfahrzeuge samt Modulen übernehmen.
Die beiden Gerätewagen GW-Klein und
GW-Ölsperre sind zweieiige Zwillinge: aufgebaut auf
demselben Mercedes-Chassis vom Typ Vario 818 DA 4x4 DK, aber mit zwei
verschiedenen Radständen (3700 resp. 4250 mm). Aufbauhersteller bei beiden
Fahrzeugen ist die Firma Vogt AG, Oberdiessbach; beide Wagen sind mit einem
Lichtmast Typ StemLite 400 STD ausgerüstet.
Die Eckpunkte der neuen Fahrzeuge:
GW-Klein:
Aufgaben:
- Nachschubtransporte Bindemittel Gewässer
- Unterstützung Gewässereinsätze
- Kleinhavarien
- Ölspurbeseitigung
- Verkehrsdienst / Absperrungen
- Schadenplatzbeleuchtung
- Anhängertransporte (Lichtmast, Ölsperre etc.)
Standardbeladung:
- Gerätschaften zur Entlüftung von Kanalisationen und Schächten
-
Stromaggregat
-
Pumpen
-
Auffangbehälter
-
Schutzbekleidung und Schwimmwesten
-
2 Module mit Bindemittel Strasse und Streuwägeli
samt Zubehör
-
Sackkarre mit Absperrmaterial
GW-Ölsperre:
Aufgaben:
-
Ölsperren errichten auf grösseren Fliessgewässern
wie Ergolz, Birs und Rhein
-
Ölsperren errichten auf Bächen wie Birsig,
Marchbach u.ä. oder auf Teichen und anderen Gewässern im Stützpunktgebiet
-
Nachschubtransporte Bindemittel Gewässer und
Strasse
-
Unterstützung Ölwehreinsätze mit
Material-/Personaltransport
-
Schadenplatzbeleuchtung
-
Anhängertransporte (Lichtmast, Ölsperre etc.)
Standardbeladung:
-
1 Grossmodul mit 120 m Ölsperre Typ Rhine-Rhone,
einsatzbereit aufgehaspelt
-
Gerätschaften zur Erstellung von Bachsperren
-
Div. Werkzeuge für Bachsperren (Siebschaufeln,
Pfosten, Schöpfkelle etc.)
-
Div. Bretter für Bachsperren
-
Schutzbekleidung und Schwimmwesten
Reserve-Module:
-
1 Modul beladen mit Rhodiasorb-Schlangen
(schwimmende Vlies-Sperren)
-
1 Modul beladen mit Ölbindemittel schwimmend, für
Gewässereinsätze
-
1 Modul beladen mit diversen verschiedenen
Bindemitteln (Vliese, Kissen etc.)
-
1 Leermodul für Gerätetransport oder techn. Reserve
Das alte Ölwehrfahrzeug „VENUS“ und der Anhänger wurden vom Amt für Militär und Bevölkerungsschutz Basel-Landschaft (der kantonalen Dienststelle für die Ölwehr Basel-Landschaft) zurückgenommen und wird dort für seine künftige Aufgabe beim Kantonalen Kristenstab KKS umgebaut werden. Am 15. Januar 2008 hat die „VENUS“ nach gesamthaft 30 Dienstjahren bei Hafenfeuerwehr BL und Ölwehr Birsfelden die Reise nach Liestal angetreten und den Depotplatz verlassen.
Ausserdem neu im Fuhrpark der Ölwehr Birsfelden ist seit Dezember 2007 ein 50 ccm-Motorroller vom Typ Piaggio ZIP 50 4T. Das Kleinmotorrad wird bei Ölwehr-, aber auch bei Wasserrettungseinsätzen, zur raschen Erkundung und für Meldereinsätze entlang dem Rheinufer eingesetzt
Neues Fahrzeugkonzept an
Einsatzübung getestet
Nach Inbetriebnahme der beiden neuen Fahrzeuge GW-Klein und GW-Ölsperre wurde
das neue Einsatzkonzept 1:1 getestet. Am 8. März 2008 fand eine grossangelegte
Einsatzübung in der Ergolzmündung bei Augst statt.
Einsatztaktik Schifffahrtsschleuse
als Ölabscheider
Analog zur Situation in Birsfelden wurde auch in
Augst die Spitze des oberen Vorhafens mittels der 200 Meter-Ölsperre verlängert.
Dadurch entsteht eine Art Trichter, der durch den Sog des Kraftwerkes und der
leicht geöffneten Schleuse das ausgelaufene Medium in die Schleusenkammer zieht.
Dabei dient dann die Schleusenkammer als Ölabscheider; das Medium bleibt an der
Oberfläche und das Wasser zieht unterhalb aus der Schleuse. Mittels Saugwagen
kann dann das Öl einfach von der Oberfläche in der
Schleuse abgesaugt werden.
Damit nun das Medium nicht durch Strömungen in der Ergolzmündung in ein
Naturschutzgebiet getrieben werden kann, wurden zusätzlich 100 Meter Ölsperre
angeschafft. Diese sind auf dem neuen GW-Ölsperre einsatzbereit auf einem
Grossmodul aufgehaspelt und können innert Minuten nach Ankunft auf dem
Schadenplatz zum Einsatz gebracht werden.
Zur
Sicherung des Naturschutzgebietes braucht somit bloss das Schlauchboot der
Feuerwehr Birsfelden eingewassert und die Sperre vom GW-Ölsperre abgerollt zu
werden.
Ölsperren in Rhein und Ergolz
Zum Ausbringen der beiden Sperren stehen
verschiedene Schiffe im Einsatz:
- FLB BL: Punktgenaues Ausbringen des Ankergeschirrs mittels Kran
und GPS-Ortung
- RRB Rheinfelden: Ziehen der 200 m-Sperre ab Sperrenanhänger bis
zum Eintreffen des FLB BL bzw. Halten der Sperre, bis der Anker vom FLB gesetzt
ist
- Ölwehrboot Neptun: Erkunden der Lage beim Havaristen (Ex-Schutz)
-
Schlauchboot Birsfelden:
Ziehen der 100 m-Sperre in der Ergolzmündung.
Eine ganz
ähnliche Einsatztaktik wird seit Jahren schon erfolgreich in Birsfelden bei der
dortigen Kraftwerkinsel angewendet. Dort fehlt einzig die 100 m-Sperre, weshalb
auch das Boot aus Rheinfelden nicht benötigt wird. Ausserdem entfällt bei einem
Einsatz in Birsfelden die zeitraubende Schleusung von FLB und Ölwehrboot.
Diese Einsatztaktik und auch die zugehörigen Einsatzmittel wie ex-geschütztes
Boot, GW-Ölsperre und GW-Klein sind weltweit wohl einmalig, da die Problematik
des Einbaus von Sperren in Fliessgewässern und des Ölumschlags ausserhalb von
geschützten Hafenbecken so nur auf diesen beiden Rheinabschnitten vorkommt.
Der Ölwehrstützpunkt Birsfelden ist für Gewässerschutzmassnahmen auf dem Rhein
in drei Abschnitten tätig: Rheinfelden bis Schleuse Augst, unterhalb Schleuse
Augst bis Schleuse Birsfelden sowie unterhalb Schleuse Birsfelden bis zur
Kantonsgrenze Basel-Stadt.
| Anschaffungsjahr | Fahrzeug/Anhänger/Boot |
| 2007 | Gerätewagen "GW Klein" Mercedes-Benz Vario 818 DA 4x4 DK/3700/Vogt-Aufbau Beladung: Pumpen, Auffangbehälter, Stromgenerator, Scheinwerfer, Absperrmaterial, Schutzanzüge, Schwimmwesten, Module mit Streuwägeli und Bindemittel Strasse |
| 2007 | Gerätewagen "GW Sperre" Mercedes-Benz Vario 818 DA 4x4 DK/4250/Vogt-Aufbau Beladung: Bachsperrenmaterial, Bretter, Siebsperren, Schöpfwerkzeuge, Schwimmwesten, Grossmodul mit 120 m Rhine-Rhone-Sperre Zusammen mit 4 Modulen, die mit unterschiedlichen Bindemitteln für den Gewässereinsatz beladen sind. Die Module können alternativ mit dem GW-Klein oder dem GW-Ölsperre zum Einsatzort gefahren werden. |
| 2007 | Ölwehrmodule Zusammen mit GW-Klein und GW-Ölsperre wurden die folgenden Rollwagen für den Nachschub beschafft: - 1 Modul beladen mit Rhodiasorb-Schlangen (schwimmende Vlies-Sperren) - 1 Modul beladen mit Ölbindemittel schwimmend, für Gewässereinsätze - 1 Modul beladen mit diversen verschiedenen Bindemitteln (Vliese, Kissen etc.) - 1 Leermodul für Gerätetransport oder techn. Reserve |
| 2007 | Ölwehr-Roller 50 ccm-Motorroller vom Typ Piaggio ZIP 50 4T für Erkundungs- und Melderfahrten entlang des Rheins |
| 1990 |
Ölwehrfahrzeug „OLIO“ Mercedes-Benz 1428 AF/Vogt-Aufbau Beladung: Umfüllpumpe ELRO, Auffangbecken in unterschiedlicher Ausführung mit total über 20‘000 Litern Auffangvolumen, Bindemittel-Silo, Einbau-Stromgenerator, Ölsperren, Kanaldichtkissen, funkenreies Werkzeug u.v.a.m. |
| 1990 |
Ölwehr-Arbeitsboot „NEPTUN“ 5,7 m langes, Spezial-Arbeitsboot, ex-geschützter Betrieb möglich, mit Bugklappe und Schleppvorrichtung für Ölsperre |
| 1986 |
Ölsperren-Anhänger Zweiachs-Tandem-Anhänger mit 200 m Schnelleinsatz-Ölsperre Typ Rhine-Rhone |